After the Storm

Der Artikel zur gleichnamigen Serie "After the Storm".

Schaden inspizieren

Eines Morgens zeigte Papa aus dem Fenster in Richtung des Baches, der einige Meter von unserem Grundstück entfernt fließt. Ich sah, dass ein Baum über Nacht umgefallen war und dachte: "Klar, das ist es, was er meint.“ Er aber sagte mir: „Schaue noch mal hin, weiter rechts.“ Und dann sah ich, was er meinte: Der Stamm des gefallenen Baumes war noch verwurzelt und stand noch immer, er war etwa 4 m hoch. Der Sturm hatte den toten Baum glatt abgebrochen, wie mit einer Säge. Darauf hatten wir beide den gleichen Gedanken. Hätte der Wind über Nacht auch nur ein bisschen die Richtung geändert und wäre mehr aus Osten gekommen, wäre uns der Baum aufs Haus gekracht.

Die Funktion von Stürmen in Wäldern

Deutschland wird zum Tornadoland. Alleine im letzten Jahr wurden hier, oft mit der Hilfe von Augenzeugen, über 60 Tornados registriert. Natürlich sind auch die ständig besser werdende Messtechnik und die steigende Zahl an Amateurfilmern, die solche Vorfälle dokumentieren, maßgeblich an der Höhe dieser Zahl beteiligt.

Wind ist etwas, das uns ständig umgibt.
Oft ist die Luftbewegung so leicht, dass wir sie gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Bei hohen Windgeschwindigkeiten aber wird selbst ein Grashalm zum tödlichen Geschoss.

In naturnahen Wäldern sorgen Stürme oft für das natürliche Gleichgewicht. Es ist wie ein Test: Fällt ein Baum im Sturm, ist er alt oder schwach und bereit zur Weiterverarbeitung durch die Produktionskette der Natur. Durch das Licht, das jetzt auf den Waldboden fällt, wird Büschen und Pflanzen zum Wachstum verholfen, die sonst nicht gegen das dichte Blätterdach über ihnen ankämen. Und durch Trockenheit geschwächte Bäume sterben durch oft das starke Sonnenlicht, das nun ungehindert auf ihre Kronen fällt, ab.
In von Menschen kontrollierten Wäldern wird Totholz oft nicht liegengelassen, sondern abtransportiert und verwertet. So haben die Bäume in Wirtschaftswäldern viel Platz für ihre Wurzeln und können wachsen, bis sie irgendwann gefällt werden. Die Bäume in Wirtschaftswäldern stehen allerdings auch viel enger als in naturnahen Waldgebieten; dementsprechend ist auch ihr Wachstum eingeschränkt. Natürlich kann in solchen Wäldern von natürlichem Gleichgewicht nicht die Rede sein – es geht ja rein um den Profit. Trotzdem tut sich auch dort mehr, als man auf den ersten Blick denken mag.

Viele Bäume haben Samen, die sich durch Wind weiter verbreiten. Totholz lockt Insekten an, die wiederum Vögeln zum Opfer fallen. Insekten sind jedoch nur für die erste Stufe der Vermoderung zuständig und für die groben Überreste des Baumes zuständig. Danach führen verschiedene Bakterien und Pilze ihr Werk weiter, bis der Baum vollkommen zersetzt wurde.

Das Projekt

Dieses Projekt wollte ich eigentlich schon viel früher beginnen, und selbst diese Veröffentlichung bedeutet bei Weitem nicht, dass es beendet wäre. Stürme sind für mich etwas Faszinierendes – ich bin kein Sturmjäger, ich genieße es bloß, wie das Haus unter dem heulenden Tosen draußen erbebt. Und ich bin jedesmal beeindruckt von der Schneise der Verwüstung, die Stürme hinterlassen. Es sind da unglaubliche Kräfte am Werk, vor denen ich großen Respekt habe.

Dieses Gefühl des Respekts möchte ich in diesem Projekt zum Ausdruck bringen. Eine Ästhetik der Zerstörung, die gleichzeitig etwas Natürliches und Ruhiges hat.

Artist Statement

Massige Körper aus Holz liegen im Wald, über- und untereinander. Stützen sich gegenseitig, klammern sich aneinander. Der Sturm hat sie geholt. Hat man ihnen auch, wie uns Menschen, Schauermärchen erzählt, als sie klein waren?

Ihre zerteilten Stämme und abgerissenen Äste zeugen von der Gewalt des Unwetters. Und obwohl das alles ist, was ein Beobachter wahrnehmen kann, sehen sie ruhig aus, friedlich. Schlafende Bäume liegen im Wald. Bald werden sie abtransportiert, oder weiter dem Kreislauf der Natur zugeführt. Sie werden dann anderen Bäumen als Nahrung dienen. Bäume denken nicht über den Sinn des Lebens nach, genauso wenig, wie sie Angst vor dem Tod haben. Warum auch? Der Tod macht aus Essern Essen. Die Balance ist wieder hergestellt.

Was verbindest du mit Wind und Sturm?

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