Schritt für Schritt

Kennt ihr dieses Gefühl? Man steht am Fuße eines Berges, blickt nach oben und sieht nur diesen Koloss vor sich aufragen, mächtig und unbezwingbar. Ein ähnliches Gefühl verspürte ich häufig in meinem Fotografiestudium und meinen eigenen fotografischen Projekten. Ich erinnere mich jetzt noch an so manches Fotoprojekt, das ich aus Angst vor seiner vermeintlichen Größe nie angefangen habe. Doch mit der Zeit habe ich gelernt, die Dinge auf eine andere Weise zu sehen, und möchte heute eine hilfreiche Sichtweise mit euch teilen.


Wie auch ein Kletterer nie an der Spitze eines Berges ankommen wird, den er nur als Ganzes zu betrachten imstande ist, kam auch ich oft nicht weiter als bis zur bloßen Idee. So wie ein Kletterer aber, sobald er den ersten Kletterzug in Richtung Gipfel getan hat, sich auf jede seiner Bewegungen einzeln konzentriert, habe auch ich damit begonnen, meine Berge an Aufgaben in einzelne Schritte zu zerteilen. Ich nenne das die „Schrittzähler-Mentalität“.

Die Schrittzähler-Mentalität

Viele Leute nutzen Schrittzähler, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, jeder Schritt zählt als kleiner Erfolg. Wer sich vornimmt, eine bestimmte Kilometerzahl zurückzulegen, setzt, wenn er es nicht schafft, den Zähler auf null zurück und steht wieder am Anfang – erschöpfter als zuvor.

Schritte aber stehen für sich allein und können am Ende eines Tages leicht zusammengerechnet werden. Kumulativ stehen sie dann für den Fortschritt, den man in dieser Zeit gemacht hat. Zudem sind Schritte eine relativ gesehen kleine Einheit: Einen Schritt zu machen, fühlt sich leicht an, und kaum schwieriger ist es, Schritt um Schritt aneinander zu reihen.

Beispiel für kreative Prozesse

Anfangs mag es etwas schwerfallen, diese Methode für kreative Projekte anzuwenden. Klar kann man mit einem bestimmten Ziel losgehen, um Fotos zu machen, zu zeichnen oder ein Lied aufzunehmen, aber wie ist es mit etwas Unbestimmtem, zum Beispiel mit Ideen?
Wenn ich in einer Ideenfindungsphase bin, teile ich auch diese in möglichst kleine Teile. Für alle offenen kreativen Prozesse setze ich mir mittlerweile einen Zeitrahmen, um mich nicht in Details zu verzetteln. Die einzelnen Punkte bauen meist aufeinander auf und ziehen mich praktisch in das Projekt hinein.
Eine mögliche Liste für ein Fotoprojekt könnte so aussehen:

  • Brainstorming/Ideenfindung (20min Zeit)
  • Inspiration suchen (30min Zeit)
  • grobes Konzept schreiben (30min Zeit)
  • Moodboard erstellen (45min Zeit)
  • Locationsuche mit Kamera (1,5h Zeit)

Wer es braucht, kann versuchen, die Arbeiten noch genauer zu beschreiben. Je genauer der Arbeitsschritt definiert ist, desto schneller kommt man an sein Ziel.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jonas (Freitag, 23 Februar 2018 07:26)

    Das klingt sehr effizient, ich kenne zumindest auch den Fall, dass man Ideen nicht umsetzt, weil man sich vorher zu viel Zeit lässt, Zweifel zu entwickeln. Um das zu umgehen, scheint dein Ansatz gut geeignet zu sein und erinnert mich dabei ein bisschen an das Prinzip vom Ludum Dare, in dem zwar keine Schritte vorgegeben sind, aber die begrenzte Zeit einen schnell dazu zwingt, mit einem Schritt (wie auch immer der dabei aussehen mag) abzuschließen.

  • #2

    Tom (Freitag, 23 Februar 2018 09:58)

    Danke für deinen Kommentar! Ja, vielleicht schreibe ich noch einen Artikel über Entscheidungen; ein fester Zeitrahmen mit etwas gesundem Druck hilft auf jeden Fall immens weiter!
    Die Schwierigkeit ist eben meist nur, eine Situation zu schaffen, wo man sich wirklich unter Zeitdruck fühlt – gerade bei privaten Projekten ist das ja so eine Sache...