Von anderen Fotografen lernen – Einführung

 

Dies soll ein Einführungsartikel sein für eine Serie von Beiträgen, die sich damit beschäftigen, was man von einzelnen Fotografen für die eigene Fotografie übernehmen kann.

Hierbei können in meinen Augen vier Aspekte (eigentlich fünf, wenn man die Persönlichkeit mitzählt) betrachtet werden: Technik, Komposition, Idee und Motiv; diese Aspekte bestimmen gemeinsam den Stil eines Fotografen.

 

Technik und Motiv sind meist am einfachsten zu übernehmen, sagen aber heutzutage nur wenig über einen Fotografen aus (man schaue sich nur einmal im gleichgemachten Metier der Werbefotografie um).

Die Komposition ist schon interessanter:

Welche Farben haben Motiv und Hintergrund, bzw. wie passen sie zusammen? Mit was für Kontrasten (Größe, Schärfe/Unschärfe, warme/kalte Farben etc.) arbeitet der Künstler? Ist der Bildaufbau eher ruhig oder unruhig? Woran liegt das?

Wie unterschiedlich solche vermeintlich kleinen Details wirken können, wird klar, wenn man sich neben Serien von Bernd und Hilla Becher die völlig anders anmutenden, aber dennoch mit genauso viel Bedacht komponierten und teils auch an die Lehrer angelehnten Werke ihres Schülers Andreas Gurskys ansieht – ein Unterschied wie Tag und Nacht!

 

Als letztes möchte ich auf die Idee, oder das Konzept, eingehen.

Das Konzept beeinflusst die anderen Faktoren insofern, als alles, was für die Produktion des Bildes wichtig ist, von ihm abhängig ist. Eine Technik nachzubilden, kann unter Umständen mit Kosten verbunden sein – aber ein Konzept als Anregung für eigene Ideen und Arbeiten zu nutzen, ist völlig gratis und hilft zudem kreative Blockaden lösen. Das Schöne an Konzepten ist, dass sie oft im Groben übertragbar sind und somit in mehreren Projekten genutzt werden können!

 

Man merkt schon: Es geht mir nicht darum, fotografische Ideen oder gar einen ganzen Stil zu klauen.

Meiner Meinung nach setzt jeder Fotograf aufgrund des fünften Faktors, der Persönlichkeit oder des persönlichen Hintergrundes, jede Idee unterschiedlich um. Wer die Arbeiten eines anderen Künstlers mit Respekt betrachtet und diese in sein eigenes Werk einzubinden versucht, ist kein Ideendieb, sondern er sucht Inspiration. Er wird diese Arbeiten in sein visuelles Gedächtnis aufnehmen und sie werden ein Teil seiner Persönlichkeit, seines Stils werden.

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Kommentare: 3
  • #1

    Tika (Montag, 02 Mai 2016 08:49)

    Danke für die interessanten Anregungen! - Ich musste erst mal die genannten Fotografinnen und Fotografen googeln und hatte auch dabei ein paar inspirierende Aha-Erlebnisse...

  • #2

    Tom Kaiser (Montag, 02 Mai 2016 15:52)

    Dafür lasse ich ja die Namen fallen, damit man sich informieren kann, wenn es einen interessiert :-)
    Ich empfehle übrigens das Bild "Bundestag, Bonn" von Gursky – eine völlig neue Sichtweise auf die Politik!

  • #3

    Jonas (Donnerstag, 05 Mai 2016 00:12)

    Interessant, wie textlich und konzeptionell bzw. theoretisch deine Beiträge hier teilweise sind. Spannende Anregungen!